2. Preis (300 Euro): Umweltzentrum Ronney e.V.
Laudatio – Dr. Andreas Schmidt, Mitglied des Landtages und Vorsitzender des SPD-Landesverbandes Sachsen-Anhalt
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste,
es gibt Wörter, die oft als Gegensätze behandelt werden, obwohl sie aus demselben Ursprung stammen. Dazu gehören beispielsweise Ökonomie und Ökologie. Beide leiten sich vom griechischen Wort „Oikos“ ab, was so viel wie „Haus“ bedeutet. Die eine beschreibt die Regeln, nach denen ein Haushalt funktioniert, die andere beschreibt die Bedingungen, unter denen dieser Haushalt bestehen kann.
Wer das ernst nimmt, erkennt: Menschliches Leben funktioniert nur in dieser Verbindung. Alles andere ist eine Illusion.
Heute sehen wir allerdings, dass der Alltag vieler Menschen weit von diesem Zusammenhang entfernt ist. Lebensmittel kommen aus dem Supermarkt, Strom aus der Steckdose und Wasser aus dem Hahn. Die dahinterstehenden Prozesse sind unsichtbar. Die Natur ist zwar vorhanden, aber selten erlebbar.
Das Umweltzentrum Ronney macht genau das wieder sichtbar – und das seit fast vier Jahrzehnten. Auf einem Gelände im Biosphärenreservat Mittelelbe, am rechten Elbufer gegenüber der Stadt Barby, verbindet das Umweltzentrum Bildung, Naturerfahrung und praktischen Umweltschutz. Streuobstwiesen, Auenflächen, ein Bauerngarten, eine Kräuterspirale, ein Schauteich, ein Bienenhaus mit Kamera und ein weitläufiges Areal für Gruppen sind dort keine Kulissen, sondern Lernorte.
Schon der Weg dorthin verändert den Blick: Wer aus dem Süden kommt, erreicht das Gelände mit der Fähre. Diese kurze Überfahrt sorgt für eine Entschleunigung, die nicht inszeniert ist. Sie entsteht einfach, weil man die Elbe überquert und für einen Moment aus dem üblichen Alltag heraustritt. Genau dort beginnt die Erfahrung, die das Umweltzentrum vermitteln will.Kinder, Jugendliche und Erwachsene erleben dort, wie Kreisläufe funktionieren. Sie erfahren, was Artenvielfalt konkret bedeutet, warum sauberes Wasser nicht selbstverständlich ist. Und sie erfahren, wie viel Arbeit in einem Stück Butter oder in einem Stück Filz steckt.
Die Angebote reichen von Schulprojekten und Ferienprogrammen bis zu Workshops zu Naturkosmetik, nachhaltigem Kochen oder dem Bau von Nisthilfen. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist dort keine leere Phrase, sie ist Praxis. Diese Arbeit lebt von Menschen, die mehr tun, als nur zu organisieren. Sie packen an, pflegen Flächen, betreuen Gruppen, beantragen Fördermittel, entwickeln Konzepte und halten die Einrichtung Tag für Tag am Laufen. Ein großer Teil davon ist ehrenamtlich. Das ist nicht selbstverständlich.
Es gab eine Zeit, in der diese Einrichtung vor einer existenziellen Herausforderung stand. Von einem Jahr auf das nächste fiel die jährliche Projektförderung weg. Plötzlich war unklar, wie es weitergeht. In solchen Momenten zeigt sich, ob eine Einrichtung nur funktioniert oder ob sie von etwas getragen wird. Ronney wurde getragen. Die Verantwortlichen stellten ihre Arbeit nicht ein, sondern fanden Wege, sie fortzusetzen. Und sie haben dem Land sehr deutlich gemacht, welche Bedingungen verlässliche Projektstrukturen benötigen.
Das Umweltzentrum Ronney steht für ein Engagement, das nicht laut, aber wirksam ist. Es macht Zusammenhänge sichtbar, die für unsere Zukunft entscheidend sind. Und es zeigt, wie wichtig es ist, Natur nicht nur zu erklären, sondern auch erlebbar zu machen.
Der Reinhard-Höppner-Engagementpreis 2025 geht deshalb an das Umweltzentrum Ronney.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Arbeit so fortführen können wie bisher. Sie wird gebraucht. Und sie wirkt.
Vielen Dank.
Dr. Andreas Schmidt
