3. Preis (200 Euro): Ipse excitare e.V.

Laudatio – Juliane Kleemann, Mitglied des Landtages und Vorsitzende des SPD-Landesverbandes Sachsen-Anhalt

Der Kirchturm im Heimatdorf ist für viele von uns der weithin sichtbarste Punkt, der sagt: Da bin ich zuhause.

Und wir alle sind irgendwo zuhause. Wir alle haben irgendwo unsere Heimat und fühlen uns ihr verbunden. Und wir alle, so meine Unterstellung, wollen, dass es da auch schön ist, lebenswert, einladend, für Zufriedenheit sorgend. Wir wollen, dass Dörfer mehr sind als Schlaforte oder das, wo im März und Oktober Gartenabfälle verbrannt werden.
Was macht einen Ort zu einem lebens- und liebenswerten Ort? Was hilft dabei, gern nach Hause zu kommen, nicht nur auf die eigene Scholle, sondern in das eigene Dorf, mit all den unterschiedlichen Typen Menschen?

Wer darüber ins Nachdenken gerät, wer diesen Gedanken mit anderen teilt, wer nicht nur Fragen stellt, sondern bereit ist, Antworten zu finden und mit denen dann loszumachen, der ist ein Geburtshelfer von „Wir machen was aus unserem Dorf“.

Unser Preisträger für den 3. Platz des Reinhard-Höppner-Engagementpreises geht an einen Verein, der sich durch seinen besonderen Einsatz für das kulturelle und soziale Leben in einem kleinen altmärkischen Dorf auszeichnet und mittlerweile darüber hinaus in die große Weite der Altmark ausstrahlt.

Ein Dorf lebt von sozialem und kulturellem Leben. Ein Dorf lebt davon, dass die Generationen sich begegnen – nicht nur mal, sondern regelmäßig. Ein Dorf lebt davon, dass Traditionen gepflegt werden, aber die Gegenwart in die Zukunft hinein ihre eigene Handschrift zur Geschichte hinzufügt. Denn Traditionspflege ist ja nie statisch, sondern letztlich dynamisch, wenn sie lebendig bleiben will.

Wer in der Altmark unterwegs ist, der stolpert gegebenenfalls über das Buch „In die middle of nüscht“ – und darf sich wundern, dass da vielmehr an Nicht-Nüscht ist als an Nüscht.

Die Altmark ist die an Kirchensteinen steinreichste Gegend der gesamten Bundesrepublik. Dank unseres Preisträgers sind eine ganze Reihe von diesen in Stein gesetzten Glaubenszeugnissen durch einen sogenannten Reformations-Radweg verbunden und zugleich unabhängig von Tages- oder Nachtzeit auch mindestens online mittels 3D-Perspektive von innen zu betrachten.

Wer sich mit der Altmark beschäftigt, hat vielleicht schon mal gehört, dass hier die dunkelste und damit für Sternenbeobachter die erhellendste Region der gesamten Bundesrepublik aufwartet. Wer darauf Lust hat, der ist beim sogenannten Lichtblütenfest, das unser Preisträger als wesentlicher Organisator übernommen hat, an der richtigen Stelle. Kulinarik und Kultur treffen sich hier unterm Sternenzelt.
Was im kleinen Dorf Ipse bei Gardelegen seine Wurzeln hat, strahlt mittlerweile – so ist das mit starkem Licht – weit über die Grenzen hinaus.

Dazu zählen Ausflüge für Bürger, Aktionen mit und für Kinder, aber auch das Engagement für die Umwelt. 15 Aktive und zahlreiche weitere Unterstützerinnen und Unterstützer verantworten eine reichhaltige Vielfalt seit 2016, Tendenz steigend.

Eine lebendige Heimat macht eben gerade nicht an der eigenen Scholle halt, sondern hat andere im Blick. Als soziale Wesen wissen wir Menschen, dass das eigene Wohlergehen auch am Wohlergehen der Nachbarn hängt. Und Nachbarn haben durchaus auch eine andere Postleitzahl vor dem eigenen Ort stehen, sind aber trotzdem Nachbarn.

Und so ist die Westaltmark mit Ipse excitare auch in der Ostaltmark aktiv, im Krumker Schlosspark ebenso wie an anderer Stelle. Der Verein Ipse excitare steht für Lebensfreude, Tatkraft und Miteinander – ein Verein mit Herzblut, Offenheit und Lust auf weitere Vernetzung. Eine Adresse, aus deren Initiative Konzerte, Lesungen und Ausstellungen entstehen, drinnen und draußen.

Ipse excitare – das Dorf Ipse selbständig wieder mit Leben zu füllen war der Anfang; geworden ist daraus viel mehr und wird sicherlich noch mehr dazukommen. Ein Beispiel, wie es geht, nicht auf andere zu warten, sondern selbst zu machen, weil „geben eben seliger macht als nehmen“. Ein Beispiel, das ermutigt, den eigenen Ideen und Impulsen zu vertrauen und dabei zu erleben, dass aus einer kleinen Pflanze ein großer Baum werden kann.

Herzlichen Glückwunsch – und vielleicht ja mal auf ein Schokoladenkonzert in der Ipser Kirche.
Juliane Kleemann