Rede zur Eröffnung – Prof. Dr. Armin Willingmann
Ich freue mich, mit Ihnen gemeinsam die Festveranstaltung zur Verleihung des Reinhard-Höppner-Preises 2025 eröffnen zu können. Auch wenn ich heute nicht persönlich dabei sein kann. Aber der Saal ist gefüllt und die Spannung groß. Wer wird Preisträger sein? Reinhard-Höppner-Preis 2025. Ehrenamt und Engagement – das sind keine Selbstverständlichkeiten.
Wer bereit ist, seine Zeit für andere zu teilen, wer bereit ist, sich einzubringen und für andere etwas zu leisten, der leistet einen großen, einen wertvollen Beitrag für unsere Demokratie, für unser Gemeinwesen. Und dies wollen wir sichtbar machen, sichtbar machen mit einem Preis, den schon 2018 die SPD, der SPD-Landesverband Sachsen-Anhalt, gemeinsam mit der SPD-Landtagsfraktion hier bei uns im Landtag ausgelobt hat.
Der Preis trägt den Namen Reinhard Höppners, unseres langjährigen Ministerpräsidenten, viermaligen Spitzenkandidaten der SPD Sachsen-Anhalt. Wir sind uns in unserer politischen Laufbahn nicht begegnet. Aber die Spuren, die Reinhard Höppner hinterlassen hat aus seinem langen, engagierten Wirken, sie sind auch heute noch sichtbar für viele von uns. Seine Vorstellung von der Integration, seine Überlegungen zum ländlichen Raum und dessen Einbindung von Teilhabe und Gemeinsinn – sie sind bis heute prägend für die Sozialdemokratie bei uns im Lande.
Insbesondere sein Respekt für den anderen, die Vorstellung davon, wie wir miteinander umgehen – das ist es, was Gemeinschaft ausmacht. Und auch dies soll mit dem Reinhard-Höppner-Preis geehrt werden. Mir geht in diesem Zusammenhang immer wieder der Satz von Hannah Arendt durch den Kopf: Verantwortung tragen wir nicht nur für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.
Es gibt vielfältige Möglichkeiten, sich einzubringen und damit etwas für unsere Gemeinschaft zu leisten. Ohne dieses Engagement wäre unsere Gesellschaft, wäre Sachsen-Anhalt ärmer – politisch, sozial und demokratisch.
Wir stehen ein Jahr vor einer Landtagswahl. Am 06.09.26 sind die Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter aufgerufen, den Landtag neu zu wählen, und es wird eine der herausforderndsten Wahlen, die wir seit Gründung des Landes erleben werden. Ein Jahr vor dieser Landtagswahl müssen wir feststellen: Es gibt Kräfte, die ausgrenzen wollen, die menschenverachtend abgrenzen und gerade das Gegenteil von Gemeinsinn und Gemeinschaft propagieren oder diese Gemeinschaft eben nur als eine ganz kleine elitäre Gruppe verstehen wollen.
Nein, unsere Gesellschaft lebt vom Miteinander. Sie lebt von kultureller Vielfalt. Sie lebt von Weltoffenheit. Jetzt müssen wir uns natürlich fragen: Welche Rolle spielt das Ehrenamt? Kann es auch Widerstand gegen solche Entwicklungen leisten? Trägt unser Gemeinsinn, trägt unsere Demokratie noch? Ja, selbstverständlich, antworte ich dann. Selbstverständlich trägt unsere Demokratie, weil sie auf Gemeinschaft, auf Pluralismus, auf Toleranz, auf das Ringen um ein gemeinsames Ergebnis angelegt ist.
Nicht Durchregieren, nicht Kompromisslosigkeit ist das Gebot der Stunde, sondern Auseinandersetzung und die Suche nach einem gemeinsamen Weg. Wenn dies unsere gemeinsame Grundlage ist, dann zeigt sie, dass Politik funktioniert, weil es Engagement im Ehrenamt gibt, weil es hauptamtliches Engagement gibt und weil es vor allen Dingen eine gemeinsame Verantwortung für unser Land und für unsere Demokratie gibt.
Der Reinhard-Höppner-Preis zeigt uns jedes Jahr, wie vielfältig Engagement sein kann: von der Jugendinitiative über den Dorfverein, das Integrationsprojekt bis hin zum regionalen Verband. Das alles zeichnet Sachsen-Anhalt aus und seine Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren. Vielfalt ist eine Stärke. Und genau diese Stärke wollen wir mit dem Reinhard-Höppner-Preis sichtbar machen.
Deshalb habe ich an dieser Stelle schon allen Preisträgerinnen und Preisträgern herzlich zu gratulieren. Ich möchte aber auch nicht unterlassen, jenen zu danken, die sich bei der Durchführung des Wettbewerbs im Jahr 2025 besonders eingebracht haben. Der Dank gilt in besonderer Weise der Jury: Renate Höppner, Katja Pähle, Juliane Kleemann, Andreas Schmidt und in diesem Jahr verstärkt durch Frau Regionalbischöfin Bettina Schlauraff. Sie haben sich der Mühe unterzogen, die Projekte auszuwählen und eine Entscheidung zu treffen, die wir heute Abend hier bekannt geben dürfen.
Und es bleibt mir zu wünschen, dass die Preisträgerinnen und Preisträger mit ihrem Engagement andere motivieren, sich einzubringen, im Ehrenamt aktiv zu werden. Das ist auch eine Botschaft, die mit dem Reinhard-Höppner-Preis einhergeht. Allen Preisträgerinnen und Preisträgern ein herzlicher Glückwunsch und Ihnen allen einen schönen Abend. Und bleiben wir dabei: Unsere Demokratie wird stärker durch das Ehrenamt. Sie trägt.
Prof. Dr. Armin Willingmann
